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Den richtigen Ausschnitt finden

Wie groß darf eine Stadtkarte sein, bevor sie grau wird? Über Radius, Liniendichte und die Warnungen im Gestalter, mit Beispielen aus München und Berlin.

Die wichtigste Entscheidung bei einer gezeichneten Stadtkarte ist nicht der Stil, sondern der Ausschnitt. Ist er zu klein, steht auf dem Blatt kaum etwas. Ist er zu groß, liegen die Linien so dicht, dass aus der Karte eine graue Fläche wird. Dieser Beitrag erklärt, wie der Gestalter dazwischen den richtigen Bereich findet.

Der Radius

Ein Ausschnitt wird durch einen Mittelpunkt und einen Radius beschrieben. Der Radius ist die halbe Breite des Kartenfelds, gemessen in Metern auf der Erde. Im Gestalter reicht er von 300 Metern bis zu 6 Kilometern.

Zum Vergleich: Die Stadtedition Glockenbachviertel zeigt ein Viertel mit 700 Metern Radius. Die Stadtedition München zeigt die Innenstadt mit 1,6 Kilometern. Die Stadtedition Berlin braucht 3 Kilometer, weil die Stadt weiter auseinanderliegt.

Warum ein Druck mehr verträgt als ein Stift

Ein Drucker kann beliebig feine Linien setzen. Ein Stift hat eine feste Breite: 0,5 Millimeter für Hauptstraßen, 0,3 für Nebenstraßen. Liegen zwei Straßen auf dem Blatt näher beieinander als diese Breite, berühren sich die Striche. Bei vielen solchen Stellen verschwimmt das Straßennetz, und das Blatt wird grau.

Deshalb lässt sich eine Stadt nicht beliebig weit herauszoomen. Ein Ausschnitt, der auf dem Bildschirm noch gut aussieht, kann auf Papier zu dicht sein.

Wie der Gestalter Dichte misst

Für jeden Ausschnitt rechnet der Gestalter die Gesamtlänge aller Kartenlinien auf dem Blatt aus, ohne die Schrift. Daraus ergeben sich zwei Grenzen:

  • Unter 8 Metern Linie ist das Blatt fast leer. Der Gestalter meldet dann einen leeren Ausschnitt.
  • Über 90 Metern auf A3 oder 55 Metern auf A4 wird es zu dicht. Der Gestalter zeigt dann den Hinweis, den Ausschnitt zu verkleinern.

Diese Grenzen sind Schätzwerte. Nach den ersten gezeichneten Karten werden sie an dem gemessen, was auf echtem Papier noch lesbar ist.

Was du tun kannst, wenn es zu dicht wird

Der naheliegende Weg: den Radius verkleinern. Oft genügt es, den Mittelpunkt ein Stück zu verschieben, so dass weniger Vorstadt und mehr Fluss oder Park im Bild liegen.

Der zweite Weg ist der Stil. Tiefdruck zeichnet nur Hauptstraßen und Wasser. Dieselbe Stadt mit demselben Radius hat dann deutlich weniger Linien, und ein Ausschnitt, der in Klassisch zu dicht wäre, wird lesbar.

Der dritte Weg ist das Format. Auf A3 verteilt sich dieselbe Karte auf die doppelte Fläche. Deshalb liegt die Grenze dort höher.

Ein guter Ausschnitt

Ein guter Ausschnitt hat eine Mitte, die man erkennt: eine Altstadt, eine Flussschleife, einen Platz. Und einen Rand, an dem die Stadt noch nicht ausfranst. Wer seine eigene Straße zeigen will, wählt eher ein Viertel als die ganze Stadt.

Wie aus dem Ausschnitt Linien werden, steht auf der Seite Methode. Ausprobieren lässt es sich im Gestalter.