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Schrift aus einzelnen Linien

Warum der Titel einer Plotterkarte nicht gesetzt, sondern gezeichnet wird: über Einstrichschriften, die Hershey-Schriften und den Stift als Hand.

Unter jeder Karte stehen ein Titel, ein Untertitel und die Koordinaten. Auf einem Druck wäre das einfach: eine Schrift wählen, Text setzen, fertig. Ein Stiftplotter kann das nicht. Dieser Beitrag erklärt, warum, und woher die Buchstaben kommen, die er stattdessen zeichnet.

Das Problem mit gewöhnlichen Schriften

Die Schriften auf einem Bildschirm oder in einem Buch sind Umrisse. Ein Buchstabe wie das O besteht aus zwei Kurven, einer äußeren und einer inneren, und der Raum dazwischen wird gefüllt. Ein Plotter füllt nichts. Er würde nur die beiden Umrisse nachfahren, und aus jedem Buchstaben würde eine hohle Kontur.

Man könnte die Fläche zwischen den Umrissen schraffieren, so wie Wasser auf der Karte. Bei Buchstaben von wenigen Millimetern Höhe wird das aber unsauber: Die Schraffurlinien liegen so eng, dass die Tinte zusammenläuft, und der Stift braucht ein Vielfaches der Zeit.

Einstrichschriften

Eine Einstrichschrift beschreibt jeden Buchstaben nicht als Fläche, sondern als Weg. Das O ist eine einzige geschlossene Linie, das E besteht aus vier kurzen Strichen. Der Stift fährt diese Wege ab, so wie eine Hand schreibt. Die Strichstärke ergibt sich aus dem Stift, nicht aus der Schrift: Auf unseren Karten sind es 0,3 Millimeter.

Die Hershey-Schriften

Die Buchstaben auf unseren Karten stammen aus den Hershey-Schriften. Sie wurden Ende der 1960er Jahre in den USA für die ersten vektorbasierten Bildschirme und Plotter entwickelt, also für Geräte, die genau wie ein Stiftplotter nur Linien ziehen können. Jeder Buchstabe ist eine Folge von Koordinaten auf einem kleinen Raster.

Die Schriften sind seit Jahrzehnten frei verfügbar und tauchen bis heute überall dort auf, wo Maschinen schreiben: in Gravurmaschinen, in technischen Zeichnungen, in Programmen für Stiftplotter. Wir verwenden eine Antiqua für den Titel und eine Grotesk für Untertitel und Koordinaten.

Was das für den Text bedeutet

Weil jeder Buchstabe ein Weg ist, lässt sich vorher genau ausrechnen, wie breit ein Titel wird. Der Gestalter braucht dafür keinen Browser und keine installierte Schrift, und die Vorschau zeigt dieselben Linien, die später der Stift zieht.

Daraus folgt auch eine Grenze: Ein Titel darf höchstens 40 Zeichen lang sein, ein Untertitel höchstens 60. So bleibt jede Zeile auf dem Rand unter der Karte, in einer Größe, die der Stift sauber zeichnen kann.

Die letzte Ebene

Die Schrift wird immer zuletzt gezeichnet, nach Schraffuren, Grünflächen, Wasser und Straßen. So liegt sie sauber auf dem Rand unter dem Kartenfeld, und der Stift setzt erst an, wenn die Karte darüber fertig ist.

Mehr zu Ebenen und Stiften steht auf der Seite Methode. Wie das zusammen aussieht, zeigt die Stadtedition München.